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75 Jahre Kirchenchor St. Hildegard – von Rudi Braun

 Nachdem die kanonische Errichtung der Pfarrei St. Hildegard durch den Bischof von Speyer am 28. Mai 1927 verfügt war und auch der Termin für die feierliche Einführung des ersten Pfarrers der neuen Pfarrei feststand, warb Kaplan Vogel von der Mutterpfarrei Pfarrei St. Josef eifrig für einen neuen Kirchenchor. Er warb so erfolgreich, dass bereits bei der Festveranstaltung anlässlich der Einführung von Pfarrer Eckhard am Nachmittag des 31. Juli 1927 im großen Saal des Restaurants "Becker-Bräu" der Kirchenchor von St. Hildegard zum ersten Mal in Erscheinung treten konnte. Mit über siebzig Sängerinnen und Sänger stand der neue Chor auf der Bühne und überraschte unter der Leitung von Karl Demerath den neuen Pfarrer und die Festgäste mit seinen Darbietungen. Dem Dirigenten war es gelungen, in nur acht Wochen aus sangesfreudigen Frauen und Männern der jungen Pfarrei, die mit Feuereifer und Begeisterung probten, einen Chor zu formen.

Eifrig wurde geübt, damit der neue Chor den liturgischen und kirchenmusikalischen Aufgaben gerecht werden konnte. Für Karl Demerath war das Wirken des Chores eine „wahrhaft katholische Aktion“ und ein Dienst für das religiöse und kulturelle Leben der Gemeinde.

Glanzvolle Höhepunkte in den ersten Jahren waren die Einweihung der Pfarrkirche am 22. September 1929, die Glockenweihe am 6. April 1930 und die Orgelweihe am 17. September 1933.

Durch den Zweiten Weltkrieg und die Wirren der Nachkriegszeit wurde die Chorarbeit empfindlich gestört. Aber die Chormitglieder hielten eisern zusammen und bereits 1947 waren wieder mehr als siebzig Sängerinnen und Sänger aktiv. Fritz Demerath engagierte sich schon während seines kirchenmusikalischen Studiums für den Chor und unterstützte seinen Vater bei den Proben am Dirigentenpult und an der Orgel. Der von ihm gegründete Knabenchor, dem zeitweise fünfzehn bis zwanzig Buben angehörten, beherrschte acht Choralmessen und war weit über St. Ingbert hinaus bekannt.  Große Festgottesdienste und öffentliche Konzerte gaben Zeugnis von der Leistungsfähigkeit des Chores. Nach 34-jähriger Tätigkeit legte Karl Demerath 1961 aus Gesundheitsgründen sein Amt nieder.

Unmittelbarer Nachfolger wurde Reinhold Fatscher als hauptamtlicher Organist und Chorleiter. Obwohl auch er mit Kirchenkonzerten an die Öffentlichkeit trat, lag der Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste. Das Zweite Vatikanische Konzil brachte auch für den Chor viele Neuerungen, die der Chorleiter mit großem Können und Eifer meisterte. Er war Kirchenmusiker mit Leib und Seele. Große Verdienste erwarb er sich durch den Aufbau einer Choralschola und die damit verbundene Pflege des Gregorianischen Chorals. Unvergessliche Höhepunkte waren die Gestaltung des Goldenen Priesterjubiläums von Prälat Eckhard und dessen Verabschiedung im November 1963. Nach 29-jährigem Wirken im Dienste der Pfarrei verstarb Reinhold Fatscher am 13. Februar 1990 allzu früh im Alter von 54 Jahren. Bis zur Einstellung eines neuen Chorleiters durchlebte der Chor eine äußerst schwierige Phase. Dank der Chordisziplin und der Unterstützung durch Kirchenmusiker und Chorleiter verschiedener St. Ingberter Pfarreien wurden alle liturgischen Aufgaben gemeistert.

Im August 1990 konnte Stefan Claas aus Bayreuth, der sich in St. Ingbert zur Ausbildung als Sänger befand, als Organist und Chorleiter gewonnen werden. Er übernahm damit zum ersten Mal eine solche Aufgabe und gewann mit seinem jugendlichen Elan schnell die Herzen der Chormitglieder und der Gemeinde. Mit gezielter Stimmbildung und Notenarbeit verbesserte er in kurzer Zeit das gesangliche Niveau des Chores. Nach drei erfolgreichen Jahren in St. Hildegard legte er aus Gründen seiner Weiterbildung im Juni 1993 sein Amt nieder. Er verabschiedete sich mit einem Orgelkonzert, an dem die ganze Gemeinde großen Anteil nahm.

Christian von Blohn übernahm im Oktober 1993 hauptberuflich als Dekanskantor und Leiter des Bischöflichen Kirchenmusikalischen Instituts in St. Ingbert auch das Amt des Organisten und Chorleiters in unserer Pfarrei. Von Anfang an stellte er hohe Anforderungen an die Chormitglieder. Die verstärkte Einstudierung von hochwertigen Motetten und Messkompositionen verschiedener Stilrichtungen forderten großes Engagement. Nicht alle Mitglieder waren von Anfang an begeistert. Durch die kompetente und zielgerichtete Arbeit unseres Chorleiters erfuhren wir inzwischen Zustimmung und Lob für die festliche Gestaltung der Gottesdienste und für die öffentlichen Konzerte, die alle ein großer Erfolg waren. Die Aktivitäten des Dirigenten, unterstützt durch die engagierten Chormitglieder, bewirkten, dass durch Neuzugänge der Chor sich verjüngt hat und im Jubiläumsjahr 2002 mit 65 aktiven Sängerinnen und Sänger fast seine Gründungsstärke wieder erreichte.

Während seines ganzen Bestehens war der Kirchenchor eine Gemeinschaft, die auch die Geselligkeit pflegte und das Leben der Pfarrei bereicherte. Bei allen großen Veranstaltungen waren und sind auch die Chormitglieder im Einsatz. Gemütliches Beisammensein nach der Singstunde, Fastnachtsfeiern, Chorfahrten und unser Pfarrfest tragen zur Stärkung unserer Gemeinschaft bei.

Der Kirchenchor St. Hildegard wünscht sich im Jubiläumsjahr, dass noch viele den Weg in die Gemeinschaft finden und dass wir noch lange mit unserem Chorleiter Christian von Blohn auf dem derzeitigen hohen Niveau das Lob Gottes in den Gottesdiensten und den Konzerten verkünden, so wie wir es in der jüngsten Aufführung der Kantate „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy verkündet haben: „Alles was Odem hat lobe den Herrn!“

Quelle: Katholisches Pfarramt St. Hildegard (Hrsg.): 75 Jahre Pfarrei St. Hildegard, Festschrift aus dem Jahr 2002, St. INbbert 2002, S. 20-21